#1 "Widerstand muss man sich leisten können" - Florian Summa

Shownotes

Florian Summa versteht Architektur als Ort der Reibung: Dort, wo unterschiedliche Vorstellungen, Interessen und gesellschaftliche Wirklichkeiten aufeinandertreffen, entstehen für ihn die spannendsten Prozesse. Als Mitgründer von summacumfemmer, Hochschullehrer und Co-Kurator des Deutschen Pavillons auf der Architekturbiennale 2023 bewegt er sich zwischen Praxis, Lehre und kuratorischer Arbeit – und genau dort begegnen ihm Konflikte ständig.

In unserem Gespräch mit ihm geht es um experimentelle Formen des Planens und Bauens, um Verantwortung im Entwurfsprozess und um die Frage, wann Widerstand produktiv wird. Besonders die Arbeit am Deutschen Pavillon „Open for Maintenance“ diente dabei als Beispiel für kollektive Arbeitsweisen, Wiederverwendung und die politischen Debatten, die Architektur auslösen kann.

Außerdem spricht Florian darüber, warum Architektur mehr sein sollte als reine Dienstleistung, weshalb Veränderung oft erst dort beginnt, wo Projekte unbequem werden – und warum gute Architektur ohne Konflikte kaum denkbar ist.

"Konflikträume" ist eine Produkt von BauNetz CAMPUS gemeinsam mit Kerstin Kuhnekath. Host und Produktion: Kerstin Kuhnekath Redaktion und Text: Katharina Lux Mehr Architekturcontent aus der Academia aus BauNetz CAMPUS.

Konflikträume wird unterstützt von der AIA AG - die Versicherungsspezialisten an deiner Seite, der dir die passenden Lösungen zu deinem Schutz bereits im Studium bietet.

Transkript anzeigen

00:00:00: das Interessante daran.

00:00:01: Eigentlich kommt man natürlich wieder in die gleiche Rolle hinein, in die man vielleicht so vorher hineingestempelt wurde.

00:00:07: Die Architekten bringen von außen irgendwas rein was der Besteller oder die Bestellerinnen eigentlich erst mal gar nicht will oder gar nicht verlangt.

00:00:16: um Widerstand zu leisten muss man in einer Position sein dass man diesen Widerstand aushält.

00:00:22: Was bedeutet, auf einem anderen Bein sicher stehen muss und es kann sein, dass das finanziell ökonomisch so ist.

00:00:30: Deshalb müssen wir genauso ja auch vorsichtig sein zu sagen, jeder sollte in seinem schaffen, ultra konflikt- und risikoreich sein.

00:00:39: Herzlich

00:00:40: willkommen zu Konflikträume!

00:00:42: Einem Podcast von Baunats Campus präsentiert von AIA.

00:00:46: Konflikte gehören zum Alltag in der Architektur Auf der Baustelle, im Büro, im Gespräch mit AuftraggeberInnen oder Behörden.

00:00:53: Und trotzdem sprechen wir erstaunlich selten offen darüber!

00:00:57: In diesem Podcast geht es genau darum, Konflikte sichtbar zu machen und wie man mit ihnen umgeht.

00:01:04: Was passiert wenn unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen?

00:01:07: Wann lohnt es sich nachzugeben und wann nicht – und wie kann man Konflikte so führen dass am Ende nicht nur ein Kompromiss steht sondern vielleicht sogar eine bessere

00:01:17: Lösung?!

00:01:18: Ich spreche dazu mit Menschen aus Architekturpraxis und Akademie über konkrete Situationen aus ihrem Berufsalltag.

00:01:36: Du bist Architekt, Mitgründer von Sommerkumpfemma in Leipzig.

00:01:40: Du lährst und du kuratierst.

00:01:43: In den Jahren des Deutschen Pavillon auf der Architektor-Bianale in Venedig warst du Kurkurator zum Beispiel.

00:01:50: Und die Lehre spielt eine große Rolle bei dir.

00:01:52: Gehärt hast du zunächst als Assistent bei Adam Caruso an der ETH Zürich.

00:01:58: Du hast auch bei Caruso St.

00:01:59: John's Architects gearbeitet, vor der Gründung von SOMACUMFAMA in den Jahr zwei Tausend Fünfzehn.

00:02:05: Du warst Professor für Integrale Architektur an der TU Graz, Visiting-Professor an der UDK Berlin – du bist Visiting Prof.

00:02:14: an der EPFL Losan Und du hattest ein Visiting-Studio an der TU München und warst Architect in Residence, an der Tu Dublin letztes Jahr.

00:02:26: Die Lehre spielt also eine große Rolle.

00:02:28: Dazu kommen wir später auch noch.

00:02:31: Wir wollen heute auf das schauen was das Publikum in der Regel am meisten interessiert – den Konflikt!

00:02:39: Die kürzeste Definition von Konflikten ist zwei Hunde ein Knochen oder theatralischer gesagt, in einem Drama haben alle Recht.

00:02:48: Sonst ist es kein Drama!

00:02:50: Also wir schauen auf die Konflikte bei dir jetzt im Büropraxis und in kuratorischen Prozessen, die du erlebt hast wie du sie gelöst hast und welche Rolle Sie für dich und deine Arbeit gespielt haben.

00:03:03: Du bewegst dich parallel zwischen architektonischer Praxis, Lehre- und kuratorischer Arbeit.

00:03:10: Wo begegnen dir in diesen unterschiedlichen Kontexten Konflikte am häufigsten?

00:03:40: kennt, der sagt so es gibt eigentlich gar nicht eine große Welt an sich die ein einheitliches ganzes ist und wahr ist wie sie als Ganzes ist sondern es gibt ganz unterschiedliche Sinnfelder.

00:03:56: Jeder von uns hat seine eigenen Sinnfelde jedes Gebiet jede Profession hat ihre eigenen Sinn Felder und alle sind für sich aus jeweiligen Perspektive.

00:04:05: war und richtig Konflikte entstehen vor allem dann, wenn Zeug hier ganz unterschiedlichen Sinnfelder aufeinanderstoßen weil ja jeder das Gefühl hat.

00:04:17: Das ist ja richtig!

00:04:18: Es ist ja wahr so wie ich es betrachte und ich glaube dass Interessante oder Hilfreiche dabei ist, dass dann plötzlich diese Konflikte gar nicht mehr als was nur nerviges.

00:04:31: Nervig sind sie natürlich trotzdem Auftreten sondern dass man natürlich dann erkennt Ja, so sein muss.

00:04:39: Das ist ja klar, dass wir als Architektin in unseren unterschiedlichen Rollen oder als leerende In anderen Welten und in anderen Perspektiven leben Als mit die anderen Personen, mit denen wir dann vielleicht zu tun haben.

00:04:55: Und insofern ich würde sagen je größer, je weiter diese einzelnen Felder dieser Welten voneinander entfernt sind, desto größer ist natürlich auch dass es zu Konflikten kommt, weil man sich erst mal gar nicht so versteht und weiß warum die anderen denken.

00:05:14: Und wie sie überhaupt denken!

00:05:16: Das ist das Schöne an der Architektur, dass es ein weiter Cosmos ist von ganz unterschiedlichen Gebieten in denen wir uns immer vorantassen können und wo wir in Kontakt mit vielen unterschiedlichen anderen Welten kommen.

00:05:32: Deshalb würde ich erstmal sagen Wichtige Qualifikation oder eine wichtige Eigenschaft von uns als Architektin, dass wir diese Offenheit haben und immer wieder auch auf die neuen Welten einzulassen.

00:05:48: Das heißt ja auch also weil du von anderen Welten gesprochen hast.

00:05:51: wenn man sich da jetzt mal eher die Auftrag Geber innen und Bauherren vorstellt dann ist es nochmal ne andere Konflikts-Möglichkeit als vielleicht auch innerhalb der Babel.

00:06:03: Also es ist ja nicht so, dass man wenn man vermeintlich in der gleichen Welt unterwegs ist oder eine gleichen Babel das da keine Konflikte herrschen.

00:06:11: also sind zwei verschiedene Ebenen die man betrachten kann.

00:06:15: Richtig und dann kann man natürlich ein bisschen zurückgehen auf so ein viel, weiß ich bemühtes Klischee ja auch, dass wir als Architektin immer nur mitjagen Formalen Brille kommen und das durchsetzen wollen, was wir vor allem auf einer formalen Ebene durchdrücken wollen.

00:06:36: Ich glaube, dass Interessante ist ja, dass wir als Architektin auch ganz viele andere Agenten haben die uns in unserer Arbeit beschäftigen und die für uns in Projekten relevant erscheinen.

00:06:49: also es kann ja auch relevant sein um das Beispiel zu nennen, dass uns das wichtig erscheint.

00:06:54: Dass man in einem Projekt, im Wohnprojekt, vielleicht ein kleines Wohnhaus, dort eine Toilette einbaut die ohne Wasser funktioniert.

00:07:04: Alles sozusagen in den größeren... In unserem Sinn fällt sich durch was wir gelernt haben und was wir erfahren haben als wichtig halten, dass wir eben kein Wasser mehr für diese Toilette einsetzen, weil es Probleme gibt natürlich bei den Wasserverbrauchen.

00:07:20: Gleichzeitig aber auch viele Nährstoffverfahren gehen, die man anders weite als Dünger nutzen könnte und so weiter.

00:07:26: Und dann gibt es aber natürlich eine Perspektive von jemanden der sich aus einer ganz anderen Sicht nämlich der praktischen tägliche Nutzung damit beschäftigt und natürlich erstmal vielleicht Vorbehalte dazu hat.

00:07:38: Ich weiß nicht ob man das schon automatisch als ein Konflikt bezeichnen würde wenn jemand skeptisch ist, ob er eine Trockentoilette eingeplant haben wollte.

00:07:49: Aber zumindest ist das Potenzial da, dass unsere unterschiedlichen Welten erst mal noch nicht übereinspimmen.

00:07:55: Übereinstimmen werden sie ja eh nie aber es gibt Bedarf darüber zu

00:07:59: sprechen.".

00:08:00: Da kommt's jetzt drauf an natürlich.

00:08:03: wer hat jetzt das Sagen?

00:08:05: Also wenn du mit der Idee der Trockentoilette kommst und der andere kann bestimmen, haben will und nicht haben wird.

00:08:15: Dann ist sozusagen, dann ist der Konflikt schnell gelöst.

00:08:18: vielleicht frustrierend für die eine Seite aber befriedigend für andere Seite Die Kurz ist ja so zu lösen dass beide Seiten am Ende zufrieden sind.

00:08:27: Manchmal hat man auch in einem aus mehreren Toiletten.

00:08:30: kann es sich eine Möglichkeit geben dass wir eine solche und eine solche machen?

00:08:35: Und tatsächlich ist das Interessante daran eigentlich kommt man natürlich wieder in die gleiche Rolle hinein in die man vielleicht so vorher hineingestempelt wurde, die Architektin bringen von außen irgendwas rein.

00:08:47: Was der Besteller oder die Bestellerinnen eigentlich erst mal gar nicht will oder gar nicht verlangt.

00:08:53: und das Ding ist aber da stecken ja auch Absichten dahinter.

00:08:58: wo ich sagen würde Da geht es gar nicht darum jemand was überzustülpen Sondern da sind ja Überzeugungen Dahinter, da is Wissen dahinten, da ist Erfahrung dahinter.

00:09:10: Und ich denke, in vielen anderen Professoren würde man sich auch viel leichter darauf einlassen.

00:09:15: Dass es schon zumindest betrachtungswürdig ist was davor beschlagen wird.

00:09:19: und das klingt jetzt irgendwie so als zu stünden mir täglich vor dem Problem dass wir Leuten etwas aufoktoraieren müssen.

00:09:26: aber tatsächlich ist es natürlich immer gerade bei so Sachen wo man nochmal einen Schritt voraus geht und vielleicht auch gerade mit einer Agenda der ökologischen Nachhaltigkeit oder so sticht man dann natürlich hin zu Sachen rein wo dann einfach diese Themen aufkommen.

00:09:40: Die Frage ist genau, ich glaube nicht dass es am Ende nur die eine Lösung gibt.

00:09:45: Gibt's das oder gibt's das nicht?

00:09:49: Und ich muss nochmal ein bisschen auswohlen.

00:09:51: tatsächlich ist es aber so, dass es natürlich Projektkonstellationen gibt wo viele Sachen möglich sind und was auch plötzlich für uns befriedigend ist, dass wir sozusagen da können wir Sachen daran erforschen die darüber hinausgehen, dass wir Architektur als eine reine Dienstleistung sehen wo wir eine Bestellung abarbeiten und ja jetzt im einfachen Fall zum Beispiel genehmigungsfähig machen oder baubar machen oder bezahlbar machen.

00:10:25: Das sind natürlich Dimensionen, die stecken in unserer Profession drin.

00:10:28: das ist glaube ich das lässt sich gar nicht vermeiden.

00:10:32: aber uns interessiert natürlich Wo sind eigentlich Spielräume im Projekt?

00:10:38: fast wie ich würde das nennen, so freie Arbeiten von uns.

00:10:42: Wo wir Themen einbringen können in diese Projekte die vielleicht auch erst mal überhaupt niemand Werksvertragsmäßig bestellt hat von uns Die aber eigentlich auch den architektonischen Kern eines solchen Projektes nachher bilden könnte.

00:10:55: und ich kann mir vorstellen dass Ich glaube ich werde ja schon noch einige Jahre weiter arbeiten bis In der Profession.

00:11:04: Das ist eine große Herausforderung.

00:11:06: oder auf dem schöner.

00:11:07: Schöne Aufgabe ist eigentlich immer wieder, Wege zu finden wie solche eigenen Interessen und eigenen Arbeiten in so einem Projekt aufgehen können.

00:11:18: Und in welchem Rahmen?

00:11:19: Also ich habe jetzt automatisch an Wettbewerbe gedacht.

00:11:22: dieses Ausprobieren braucht ja auch einen Rahmen und Freiraum indem das möglich ist.

00:11:27: Richtig genau!

00:11:28: Ich glaube da experimentieren wir auch immer und suchen es.

00:11:32: Wir haben tatsächlich gemerkt Mit unserem Sanremo-Brek in München hatten wir natürlich die Chance eines Lebens, die wir durch ein Wettbewerb bekommen haben.

00:11:41: Das war der Sechser-Imbulottruck für uns.

00:11:43: Hat

00:11:43: auch den Dampreis gewonnen?

00:11:44: Muss man mal dazu noch sagen?

00:11:46: Genau!

00:11:47: Und ich glaube ganz viel haben wir natürlich dem zu verdanken und aus der tollen Beurschaft, der Kooperative Großstadt und alles.

00:11:55: Gleichzeitig ist das Geschäft der Wettbewerbe so mühsam, selbst mit der Referenz eines euren Projektes ist es ganz schwer reinzukommen in genau das Bewerbungsverfahren vorgeschaltet.

00:12:10: Und zunehmend haben wir uns eigentlich dahin entwickelt eine größere Nähe aufzubauen und zu Bauvorhaben was auch fast ausschließt dass man solche Projekte über Wettbewerb akkriert, weil die Wett Bewerben natürlich auch gerade mit dieser Anonymität sind.

00:12:26: ja quasi bauen eine maximale Distanz auf zwischen diesem Projekt erstmal und dem der Plan.

00:12:32: Man macht diesen Vorschlag und dann wird es anonym bewertet usw.

00:12:36: Und uns interessieren mehr und mehr solche Projkte, die wir entweder eigeninitiativ mit initiieren also quasi wo wir eigentlich in einer anderen Rolle auch noch Teil dieser Projekten sind zum Beispiel indem mit entwickeln und entwickeln nicht in dem Sinne als Finanzumlage, sondern entwickeln im Sinne eines gemeinschaftlichen kollektiven Projektes wo wir aber eben nicht nur in der Rolle der Planerin sind.

00:13:03: Und diese Nähe die ermöglicht ist plötzlich ganz andere Schritte zu gehen, die wir nicht gehen können wenn wir an unserem Schreibtisch alleine sitzen Ja, abstrakte Dienstleistungen sehen die man so per E-Mail und Pläne hin und her schicken kann.

00:13:24: Werbung!

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00:14:19: Ich dachte auch, dass dieses beiden Rollenstecken auch Konflikte minimiert.

00:14:23: vermutlich.

00:14:24: also du musst ja niemandem dann überzeugen wenn du eben sagst Ja wir wollen eben unkonventionelle Lösung Wir wollen Ressourcenschonung und Einfachheit.

00:14:34: Da könnte ich mir vorstellen, wie du eben gesagt hast.

00:14:36: Bauherrinnen und Bauern müssten überzeugt werden von der Trockentulette aber ihr müsst euch ja doch nicht selbst überzeugen.

00:14:41: also Konflikt freie Zone oder?

00:14:45: Ja das ist interessant weil das natürlich wie so ein Ausblick ist.

00:14:52: man räumt erstmal die Möglichkeit für Konflikte weg indem man sich Verantwortung übernimmt Konflikte vielleicht außen vorhin.

00:15:05: Also indem wir Sachen selber bauen, haben wir natürlich einen anderen Entwurfsmodus auch zwischen der Ausführung und dem Bauen die vielleicht experimentend zulasten, die sonst nicht möglich wären und eben in diesem Sinne auch konflikten von meinen.

00:15:19: gleichzeitig muss man natürlich wissen dass man dadurch sich ein Haufen neuer Problemfelder generiert wie auch potenziell wieder mit Konflikte behaftet sind.

00:15:30: also ich denke jetzt zum Beispiel gerade an die Leute, die mich kennen, wissen dass ich öfters über die Toiletten rede.

00:15:36: Jetzt kommt die Toillette schon wieder!

00:15:38: Bei dem Projekt in Benedikt zum Beispiel war das natürlich so.

00:15:42: wir haben eben eine trocken Toilette in den deutschen Pavillonen eingebaut.

00:15:46: oben da ist diesen deutschen Pavillon ein halbes Jahr lang als Werkstatt für am Ende mehr als siebenhundert Studierende zu nutzen und da war es halt uns wichtig also Ort des Arbeiten auch ne Toilettetrende drin ist.

00:16:00: Die gab's einfach in diesem Pavillon nicht.

00:16:01: Ja, die gab es im Pavillon auch nicht genau aber es gibt natürlich einen auf dem Gelände.

00:16:06: also war es dir sozusagen wichtig oder euch?

00:16:10: Also weil du gerade eben noch gesagt hast wer mich kennt der weiß dass ich immer von Toiletten spreche.

00:16:16: Das war sozusagen ich glaube das war beides.

00:16:21: Stadtpolitischen Ebenen, da gibt es einfach in Genie viel zu viele Toiletten auf dem Gelände e und dann sind sie auch nicht wie jeder erreichbar.

00:16:28: Und für uns war das aber auch natürlich das Symbol dafür sobald wir im Ausstellungsraum eine Werkstatt haben und noch eine Toilette hat.

00:16:35: Na ja, dann ist es sozusagen ein Abort der Produktion und nicht der Repräsentation dazu.

00:16:43: Wir hatten auch viele Stimmen, die uns stark davon abgeraten haben das zu machen.

00:16:47: Wir haben gesagt wir machen das trotzdem um auch dieses ganze Thema aufzumachen der Weiterverarbeitung der Nährstoffe und der Trocken ohne Wasser usw.

00:16:58: Und dann hatten wir natürlich am Ende die Konsequenz dass wir ein halbes Jahr lang diese Toilette auch selber an den Backer haben und auch selber unterhalten haben.

00:17:06: also das zählte zu unseren täglichen Aufgaben Und zwar eigentlich mehr oder weniger stündlich, weil die eigentlich von so vielen Leuten genutzt wurde.

00:17:17: Das sind dann sozusagen wir haben sie selber gebaut und wir haben selber die Maintenance davon übernommen.

00:17:22: und das sind dann Konsequenzen davon, die kauft man sich sozusagen mit ein indem sich so in dieses Projekt rein hängt und ich glaube die wäre nicht möglich gewesen, diese Toilette wenn wir eben nicht das komplette Paket gemacht hatten.

00:17:36: Wir hatten danach noch während der Laufzeit der Bienale immer ein gutes Gespräch mit Gesprächen mit Clara Gaiwitz, die damals übrigens Bauministerin war, die dann auch gefragt hat können wir sie nicht drin lassen?

00:17:47: Die Toilettete ist ja irgendwie eine gute Sache.

00:17:51: Am Ende haben wir gesagt, naja gut aber irgendjemand muss die auch immer weiter unterhalten oder?

00:17:56: Und das ist jetzt das was eigentlich das Aufwendige daran ist.

00:17:59: Das haben wir jetzt ein halbes Jahr lang gemacht.

00:18:01: Das müsste dann niemand anders machen und plötzlich war es natürlich gar nicht mehr so einfach.

00:18:06: Aber ich glaube dass zeigt ja auch das Interessante, dass Architektur natürlich so viel mit unserem Leben zu tun hat und wenn wir als Architekten Verantwortung übernehmen wollen für das was wir planen, dann spüren wir das natürlich am besten in irgendeiner Weise auch mit dem Bauen davon beschäftigen und am besten auch noch mit den Nussungen davon, weil wir wirklich auch mit den Konsequenzen davon konfrontiert sind.

00:18:31: Hast du das dann irgendwie in irgerer Form bedauert?

00:18:35: Dass ihr das gemacht habt?

00:18:36: also war es doch ein bisschen sehr aufwendig?

00:18:39: Nee gar nicht!

00:18:39: Also ich glaube bedauern haben wir das noch nie, weil das ist auch wirklich wie immer so sehen dass das Lernprozesse sind.

00:18:49: In dem ganz konkreten Fall war es einfach so, dass wir so viel davon gelernt haben mit den ganzen Sachen die auch nicht so gut geklappt hatten und der vielleicht auch Aufwendigkeit dieses Unterhalts dafür, als wir da wo wir wohnen eine Trommplette eingebaut haben in etwas anderer Technik eingesetzt hat.

00:19:08: Die quasi da wenig Erwartungsintensiv ist und das war ein direktes Lernen von dem was man vor Ort gemacht hatte.

00:19:18: Ich möchte mal ergänzen, weil wir jetzt so reingesprungen sind.

00:19:22: Das war ja im Jahr zwanzig.

00:19:24: Gemeinsam mit Arne Femme, Juliane Grip, Peter Krag und dem Team von der Eich-Plus.

00:19:30: Kuratoren-Team des deutschen Pavillons und einem Titel Open Form Maintenance wegen Umbau geöffnet.

00:19:35: Und das Konzept des Pavillon stellte gängige Vorstellungen von Neubau und Autorenschaft infrage, die Toilette war natürlich nur ein Teil und bezog sich stark auf Prozesse der Pflege und Reparatur, der Verbesserung sozusagen und hat auch Studierende mit eingebunden.

00:19:51: Es gab Workshops in der ganzen Stadt zwar nicht nur auf den Pavillon alleine beschränkt örtlich und es Auch das Ziel, Handwerkerinnen und Studierende zusammenzubringen.

00:20:03: Motto in Venedig-Hand anlegen!

00:20:06: Wie hat das denn so funktioniert?

00:20:08: Diese verschiedenen Gruppen also die Handwerke erinnern als Expertinnen und die Studierenden zusammen zu bringen

00:20:15: Ja das war natürlich super weil man auch genau da gesehen hat dass diese unterschiedlichen Welten aufeinander treffen und plötzlich durch dieses Arbeiten in den Austausch dazu kommt.

00:20:29: Und wir hatten zum Beispiel Studierende von uns auch, eine Gruppe von der UDK Berlin da.

00:20:36: die waren zeitgleich damit auszubildenden und dem Ausbildungsmeister der deutschen Werkstätten in Hellerau entdresen.

00:20:45: Die waren auch da und das war natürlich ja wirklich ganz unterschiedliche Welten und sie haben als Gruppe dann zusammengearbeitet für ein Nachbarschaftszentrum in Mestre auf den Festland von Benedikt, was eigentlich noch mal eine dritte lokale Welt war würde ich sagen.

00:21:03: Und man merkte dass diese eine Woche gerade lang genug war um Verständnis für andere aufzubauen und dieses Arbeiten da mit einer gewissen Verbindlichkeit zu sehen weil man sich mehrere Tage gesehen hat weil es keine Distanz war.

00:21:21: das war das große Ziel eigentlich was wir hatten nationalen Beitrag aus Deutschland machen, wo wir zeigen was ist das Beste aus Deutschland und bringen es nach Venedig.

00:21:35: Und genau so quasi diese Leistungsschau die ja auch immer dahinter steckt sondern wir haben gesagt Wir möchten etwas vor Ort machen.

00:21:45: Wir möchten was Prozess habt.

00:21:46: Das wollen wir gemeinsam mit anderen Leuten vor Ort Machen Mit der Gefahr dass natürlich Konflikte entstehen, die wir auch nicht haben wollen und wo wir uns auch immer, woran wir gearbeitet haben.

00:22:00: Dass wir als Deutschland jetzt als die große Reparateur, als die großen Wiederverwenderer, als den großen Recycler machen, die natürlich sehr gut Müll trennen können und was es da alles wirklich in Schild gibt.

00:22:10: Und die auf Deutschland jetzt den Venizianern zeigen, die man das ja gut machen kann.

00:22:15: Das ist natürlich auch eine neokoloniale Perspektive, wo wir auch immer ganz vorsichtig waren, dass wir da nicht reinrutschen.

00:22:26: Und wenn man mit großen Gruppen arbeitet, mit über dreißig Gruppen in ein halbes Jahr lang, dann gibt es natürlich auch immer wieder Fälle wo es auf solchen Ebenen auch Konflikte gibt, über die man sprechen muss und die man thematisieren muss weil ja das wird einfach

00:22:49: so.

00:22:50: Könntest du eine konkrete Situation beschreiben?

00:22:53: wo Zeitdruck, Material oder unerwartete Umstände zu einem Konflikt geführt haben und wie ihr es gelöst habt.

00:22:58: Das ist natürlich auch interessant!

00:22:59: Für die, die damals nicht da waren in dem Jahr zum Paarwion, wir hatten ganz viel Material von der Kunstbirnale vorher gesammelt und im Hauptraum diese aufgeschichtet.

00:23:12: und dann hatten wir eben die Werkstatt in den Parvillonen und dieses ganze Material was im Parvillon war zivilgesellschaftliche Initiativen in Beledig verbraucht worden, also quasi an Gebäuden von diesen Initiatifen verbaut worden im Sinne von Reparaturen und kleinen Umbau und Erweiterungen.

00:23:32: So dass dann am Ende der Bienale dieser Hauptraum des Parvillons komplett leer war.

00:23:38: Und da sind schon sehr viele Tonnen an Material tatsächlich als Stoffstrom aus den Giardini herausgegangen Benedig und auch das angrenzende Festland.

00:23:50: Und ich glaube, tatsächlich gab es schon immer wieder Konflikte darüber in der Schnelle der Zeit wie bedacht wir eigentlich mit diesem viel Material umgehen können wenn wir das dann zu den Initiativen bringen gemeinsam mit denen etwas entwickeln?

00:24:07: Wie nachhaltig ist das?

00:24:09: Und müssen wir nicht aufpassen, dass hier ein Haufen Material was eigentlich vielleicht am besten gar nicht in Genetik mehr sein sollte, plötzlich da verbaut wird.

00:24:18: Also weil das ist ja wie so Messebau diese Bienalität.

00:24:24: Es sind Haufen Holzwerkstoffplatten, OSB-Plattenspaltplatten

00:24:28: usw.,

00:24:28: Das ist natürlich überhaupt gar nicht dafür geeignet, dass es jetzt zum Beispiel im Außenraum gelangt oder?

00:24:36: Geilt ist dann schon auch erstmal in der Werkstatt auch immer wieder so ein Materialverständnis für alle zu generieren, also eine OSB-Parte.

00:24:46: Klar können wir da jetzt einen Dach draus bauen und wir können das auch hier in die Gasse davon wenig schaffen und installieren.

00:24:53: In einem halben Jahr wird das ganz furchtbar aussehen wenn es darauf geregnet hat.

00:24:57: Und jetzt sieht's gerade gut aus man kann ein Foto davon machen aber bald nicht mehr.

00:25:02: Und da muss man dann aber schon sehr tief eigentlich auch in unsere Qualifikationen, also zum Beispiel von Materialverständnissen hineingehen um solche Entscheidungen zusammen in einer kurzen Zeit mit den Gruppen zu treffen oder?

00:25:19: Da wurde auch irgendwie viel gelernt was natürlich auch bedeutet dass manchmal vielleicht auch Sachen waren das genau was unser Studierende gemacht haben eingeschlossen wo man denkt naja wäre das gut, wenn man das nochmal aus einem anderen Material noch mal gerade richtig machen würde.

00:25:37: Und hatte dir absolute Narrenfreiheit?

00:25:40: Also ihr konntet einfach in Venedig dann das Material verteilen und auch wenn es nicht fach oder sachgerecht vielleicht dann war wahr?

00:25:50: Naja also... Es war immer dann doch natürlich mit einer sehr engen Abstimmung mit den jeweiligen Initiativen so und das wurde schon entwickelt mit ihr zusammen und ich würde sagen, das hat auch sehr viel auf Vertrauen basiert was man gemacht hat.

00:26:08: Und dieses Vertrauen haben wir uns auch aufgebaut im Laufe der Bienale aber auch schon in dem halben Jahr davor wo wir in Kontakt getreten sind damit und Das war für uns vielleicht auch eines der schönsten Momente zu sehen die aus diesem Vertrauen heraus dann plötzlich auch Sachen ermöglicht werden Die vorher undenkbar waren.

00:26:29: also zum Beispiel konnten wir es am Ende ermöglichen, dass alle Studierenden in einem ehemaligen oder im besetzten Kulturzentrum in Benetik übernachten konnten.

00:26:40: Weil das über den Sommer nicht genutzt wird und das ist eben so ein gesworteter Space-Maurion eigentlich der einzige nicht kommerzielle Kulturaum in Benetic.

00:26:53: Und wir haben das dann irgendwie geschafft nachdem wir ganz lange mit den Leuten da auf ganz vielen Ebenen in Kontakt waren die sie gesagt haben ja Wir sind den Sommer über mit eh auf Festivals unterwegs und haben keine Veranstaltung in dem Kulturzentrum.

00:27:07: Ihr könnt da jede Woche mit dreißig Leuten drinnen übernachten, ihr könnt die Küche nutzen so dass wir dann am Ende den Studierenden, die keine Kosten für Untergrund hatten in Benedikt oder irgendwie in Gruppen von dreizig Leuten abends für sich kochen konnten was für uns wieder total befriedigt war Fördergelder, Sponsoringgelder die wir bekommen haben eben diesen Kulturzentrum wie so als Mieter dafür bezahlt.

00:27:33: Und das war schön zu sehen was für neue Möglichkeiten eigentlich dann plötzlich möglich werden wenn man Vertrauen zueinander geschaffen hat.

00:27:48: oder es ist ein gesquotteder Space.

00:27:50: Die haben natürlich auch Angst dass wenn da etwas passiert Da wieder die Aufmerksamkeit sich draufrichtet und sie dann plötzlich da irgendwie rausgejagt werden aus dem Gebäude, was uns wiederum in die Rolle gebracht haben.

00:28:03: Dass wir alle dafür sensibilisiert haben ist ein besonderer Ort und ihr müsst das Wert schätzen dafür und das haben auch alle gemacht.

00:28:09: Okay also hier lief es dann rund?

00:28:12: Ja wir wollten ja über Konflikte sprechen!

00:28:16: Also erstmal

00:28:17: die Frage,

00:28:18: die ich noch hätte.

00:28:19: Du hast ja eben davon gesprochen, die Deutschen als Mülltrennungsweltmeister, die dann vielleicht eventuell da so ein bisschen kolonial rüber kommen wenn sie auf einmal der Welt erklären wollen hört mal Leute das ist viel zu viel Müll hier das muss man wieder verwenden.

00:28:34: wie ist euch das denn gelungen dass es nicht so rüber kam?

00:28:37: Das ist eine gute Frage.

00:28:38: also Vielleicht ist es uns ja auch nicht gelungen und es ist am Ende so rübergekommen.

00:28:44: Und dann...

00:28:44: Internationale Presse.

00:28:46: habt ihr da nicht studiert?

00:28:47: Genau, doch wahrscheinlich waren da auch solche Kommentare darin.

00:28:52: Das Interessante war ... Es ist natürlich immer wieder bei diesen einzelnen Welten mit Welchen Leute man sich jetzt zum Beispiel durch so ein Pavillon durchbewegt und das erklärt, was man vor sich hat.

00:29:07: Weil dass natürlich auch in unserer Profession, in unser Bubble würde ich sagen möglich ist über solche Themen zu sprechen aber jemand der davon außen ausschaut, das ist tatsächlich Erklärungsbedürftig.

00:29:20: Und das war auch immer wieder ein großes Thema.

00:29:23: Was haben wir alles an Themen im Pavillon?

00:29:26: Wie viel davon ist eigen selbst erklären?

00:29:32: die Zeit genutzt, so viel wie möglich.

00:29:34: Also wir waren ja die ganze Zeit über da dann eigentlich immer auch Besucherinnen durchzuführen und ich bin dann einfach rausgegangen aus der Werkstatt und man schädigt sich vor diesem Eingang und fragt Leute ob man ihnen das erklären kann so wie so random ausgewählt und dann ist es natürlich total interessant die eine halbe Stunde durchzufühlen.

00:29:54: Und dann habe ich mir auch vorgenommen mindestens zwei oder dreimal am Tag vorzunehmen, wo ich dachte an diesem Gesichtsausdruck sehe ich eigentlich dass es da eine große Skepsis gegenüber dem gibt was man hier sieht.

00:30:10: Und das waren Führungen die tatsächlich mit, die auch konfliktreich waren weil es plötzlich nicht ist ja einfach jemanden zu erklären wer alles toll findet und das so mitschwimmt.

00:30:23: aber es gab tatsächlich viele Leute die konnten mit keinem dieser Aspekte die wir gezeigt haben etwas anfangen Und das ist natürlich plötzlich, kommt man dann dahin und versucht, natürlich trotzdem das zu erklären.

00:30:38: Man rechtfertigt es und verschickt sich dann auch irgendwie in Konflikte hinein würde ich sagen.

00:30:44: also wir hatten damals den Beitrag von Maria Eichwand für den Deutschland-Haukjongen wo sie sich mit der Geschichte des deutschen Pavillones ganz konkret beschäftigt hatten, indem sie die Zeitschichten freigelegt hat.

00:31:00: Und da gab es quasi die Spuren davon wie das aus so einem kleinen italienischen Pavillon umgebaut wurde in dieses monumentale Nazi-Gebäude, so wie wir's jetzt vor uns haben und sie hat gezeigt, indem Sie den Putz abgeschlagen hat an einigen Stellen wo dort die Fugen sind, wo man sieht welche Steine da neu hinzugefügt worden sind und das ist schon sehr eindrucksvoll gewesen.

00:31:28: Und da war es aber tatsächlich dann so wenn man Führung gemacht hat dass es auch immer wieder Leute gab, die dann gesagt hatten Wenn man das erklärt hat, ja genau Das ist diese Geschichte und muss man denn immer wieder diese Geschichte neu aufrollen und müssen wir das jetzt wirklich nochmal sichtbar machen.

00:31:49: Und wo ich natürlich persönlich eben mir gedacht habe, naja genau deshalb müssen wir es jetzt gerade noch mal wieder zeigen so oder dass ist dann tatsächlich in dem Wastraum, wo nicht nur die Suche drinnen war sondern auch ein Burinal was nicht nur von Männern benutzt werden konnte.

00:32:06: Das dann hieß oh ja okay da sind jetzt hier so gender gaga Facilities, die ihr da eingebaut habt.

00:32:14: Und dann zuckt man natürlich noch ein bisschen zusammen und wollte ja eigentlich ganz inhaltlich darüber sprechen.

00:32:21: Das waren dann Herausforderungen.

00:32:23: aber ich glaube das zeigt ja eben aus und wissen dass vielleicht in unserer Plase viele Dinge auch denkbar und sagbar und machbar sind und das ist aber eigentlich auch in vielen Fällen gar nicht so selbstverständlich angesehen wird, solche Sachen zu machen.

00:32:44: Das heißt der gesellschaftliche Diskurs, wie er sich hier in Deutschland abbildet, den merkt man dann auch bei den Besucherinnen in Venedig?

00:32:52: Genau.

00:32:53: und das Interessante damals war natürlich dass da eben durch das internationale Publikum auch Leute kamen aus Ländern wo es anders läuft und die einen anderen Zugang dazu haben.

00:33:05: also auch so weiter Wiederverwendung.

00:33:07: wir haben ja viel eigentlich eben auch so dieses Thema dieses Umgangs mit den Ressourcen und die politisch-wirtschaftlichen Hintergründe davon thematisiert.

00:33:17: Und auch die Konflikte, die dahinter stehen – dann gab es Leute, die gesagt haben, in unserem Land ist das besser geregelt!

00:33:26: Unterschiedliche Mehrwertsteuer auf Neubau und Ernährung dazu, dadurch können wir das machen.

00:33:30: Ja genau!

00:33:31: Das ist wirklich auch noch wahr.

00:33:33: Deutschland ist ja noch nicht mal als irgendwie besonders weit vorne mit irgendwelchen progressiven Maßnahmen um irgendwie das Müllproblem zu bessern oder irgendwas.

00:33:41: Und dann ist es natürlich besonders... wichtig, dass man als Kurator da steht und sagt naja trotzdem wollen wir darüber aufklären.

00:33:50: Und Staat ist auch nicht gleich.

00:33:53: Bürgerinnen des Staates die eben da kuratieren und Probleme aufzeigen wollen Das ist tatsächlich ja auch etwas konfliktreich.

00:34:01: Du bist irgendwie Stellvertreter des Landes und gleichzeitig kritisierst du ja auch, was in dem Land vor sich geht.

00:34:09: Und von außen wirst du aber wahrgenommen als jemand der eben vielleicht den Zeigefinger hebt, was Deutschland ... also ja auch das Klischee ist, was Deutsche haben mit erhobenen Zeige Finger gerne durch die Welt laufen und sagen wie es geht?

00:34:21: Genau!

00:34:21: Und das zieht sich natürlich durch alles, das findet man in der Praxis und in der Lehre.

00:34:28: Das findet man auch in vielen anderen Bereichen.

00:34:32: Und es ist immer so ein bisschen das was uns stört, dass man natürlich in so Schublaten eingeordnet wird.

00:34:43: Und das haben wir ja auch versucht, ihn wenig zu machen.

00:34:45: Uns interessieren ja das, was einige Leute vielleicht als Kernthemen unter Disziplin beschreiben würden, also das Konstruieren und des gestalten von Bauwerten.

00:35:00: Das interessiert uns ja auch total und deshalb haben wir eine Rampe davor gebaut und da können wir vielleicht mal über sprechen und haben die angeglichenen im bestehenden Parillon und gleichzeitig interessieren uns aber auch die ganzen Fragen, die damit verbunden sind.

00:35:14: Also quasi die politische und gesellschaftliche und ökonomischen Konsequenzen davon.

00:35:20: Irgendwie ist es doch total Wahnsinn, dass man sich immer schnell dafür recht fertigen muss.

00:35:25: Dass man angeblich mit dem erhobenen Zeigefinger rumläuft und weil das ja interessiert, dass Man sich um die Gestaltung überhaupt gar nicht kümmert oder umgekehrt gibt's ja auch Fraktionen die dann sagen naja Das ist ja so toll gestaltet.

00:35:39: Es ist ja ganz klar, dass das überhaupt gar Nicht politisches war.

00:35:42: Ist ja so formal und das ist ja So losgelöst von einem so Und das interessiert uns eigentlich nicht diese Trennung da immer genau auch uns in Konflikte reinzustürzen, um diese Distanz zwischen diesen Sachen zu überbrücken.

00:35:57: Also das war auch das Ziel!

00:35:58: Da habt ihr ja tatsächlich seid ihr richtig in diesem Konflikt reingegangen bewusst oder ist euch das erst währenddessen aufgefallen?

00:36:04: Dass ihr in dieser Schublade landet und dass es da diesen Konflik gibt überhaupt?

00:36:08: Ja ich glaube wir kennen das natürlich schon aus unserer Praxis.

00:36:12: Der taucht's auch immer wieder auf und haben wir uns vielleicht auch ein bisschen so ein dickes Feld angeeignet.

00:36:19: Und am Ende ist es eben auch das, was uns in der Lehre beschäftigt.

00:36:22: Dass wir versuchen diese Themen miteinander zu verbinden und nicht gegeneinander auszuspielen.

00:36:27: Das kann einfach bedeuten dass man vielleicht auch eine Stunde total formal über ein Projekt redet und dann kann man ja auch in der nächsten Stunde aus einer ganz anderen Brille über so einen Projekt sprechen.

00:36:39: Und das ist das was uns interessiert.

00:36:43: Wenn man die Tür aufmacht und reinkommt und jemand darüber sprechen hört kriegt man vielleicht manchmal nur eine Perspektive mit.

00:36:50: Ja, das heißt es klingt komplett undokmatisch was du sagst total offen.

00:36:56: Und dennoch hast Du die Erfahrung machen müssen dass Du sozusagen eventuell in der Ecke der dogmatischen Landen könntest durch bestimmte Besucherinnen die das dem Pavillon besucht haben und gesagt haben so hey hier was soll das alles so korrekt mit Rampe und ja eine Gender Toilette genau also das ist natürlich auch schön sich dem auszusetzen Also Konflikt auch, um aufzuklären und eben selber auch daran zu wachsen sich dem auszusetzen.

00:37:22: Das ist ja auch anstrengend, muss ja nicht jeder machen macht er auch nicht jeder sage ich mal.

00:37:26: Aber diese Reibung führt ja auch zur Wachstum.

00:37:29: Genau!

00:37:30: Und das was du gerade gesagt hast die sehr ist als selbstbestimmt oder der möchte ja auch nicht Jeder.

00:37:36: Ich glaube da muss man auch ganz klar vorausschicken oder dazu sagen dass man sich zum Beispiel den Widerstand leisten können muss.

00:37:44: Also um einen Widerstand zu leisten, muss man in einer Position sein dass man diesen Widerstaunt aushält was bedeutet das man auf einem anderen Bein sicherstehen muss und es kann sein dass es finanziell ökonomisch so ist oder in dem Sinne wie man in die Familie oder gesundheitlich eingebettet ist.

00:38:05: Deshalb würde ich auch sagen müssen wir genauso ja vorsichtig sein zu sagen, jeder sollte in seinem Schaffen ultra konflikt und risikoreich sein.

00:38:16: Das ist auch was wir nicht erwarten können und sollen.

00:38:19: Und ich glaube für uns ist es natürlich... Wir können uns das leisten diesen diese Themen konflektreich auszutragen und finden da glaube ich dann dadurch auch so ein bisschen Erfüllung drin.

00:38:31: Ich würde auch manchmal sagen dass es fast wie eine Art Grad Messer wenn man so Wenn man so Sachen macht und vielleicht auch irgendwie auf mit Abstimmung in Baubehörden oder so weiter, merkt das da überhaupt gar keinen Widerstand gibt.

00:38:45: Dann ist man fast ein bisschen erschrocken weil man denkt dann macht man ja irgendwas was jetzt eigentlich gar keine weitere Bearbeitung braucht weil es ja offensichtlich ganz normal und anerkannt usw.

00:38:57: Und für mich selber ist das persönlich schon immer eine Oder ich sage mir das dann innerlich, wenn so Widerworte oder wenn wieder so ein Anruf kam und alles überhaupt gar nicht geht und abgelehnt worden ist.

00:39:10: Dass es eigentlich ein gutes Zeichen ist, dass man wo drinnen ist, wo man denkt naja da gibt's jetzt was zu erforschen und was zu entdecken.

00:39:17: und das fühlt sich umso besser auch am Ende an, wenn es dann tatsächlich auch realisiert worden

00:39:22: ist.".

00:39:23: Also größer der Widerstand desto größer die Belohnung nachher, wenn man es dann geschafft hat alle zu überzeugen und es umzusetzen?

00:39:31: Ja, also es gibt natürlich Grenzen dazu.

00:39:34: Und am schönsten ist das auch wenn man das gemeinsam macht und das machen wir ja eh.

00:39:39: Wenn ich jetzt von mir spreche dann ist das eigentlich fast immer irgendwie eingebettet in den Bürokontext mit anderen zusammen.

00:39:48: Auch Viennale genau mit Juliane Krebe oder auch das San Remo Projekt was wir zusammen gemacht haben.

00:39:55: und zum Beispiel bei dem San Remo Project war's halt nochmal krasser weil weil ich sagen würde, es ist halt ein großes Projekt schon gewesen für fast hundert Leute mit knapp dreißig Wohnungen da drin.

00:40:06: Es ist sehr experimentell gewesen und das hat wirklich nur funktioniert bei auf fast allen Ebenen.

00:40:14: oder ja genau die Leute, die das vorangetrieben haben bereit waren Konflikte und Risiken einzugehen also allen voran die kooperative Großstadt als Bauherren davon die natürlich extremen Risiken da eingegangen sind und uns manchmal auch Sachen Architektonische Sachen ermöglicht hat, die gar nicht gehen würden.

00:40:33: Wenn das nicht mitziehen, eben das Auftrag geben und davon geben.

00:40:37: Also was wir mit den schaltbaren Wohnungen da alles gemacht haben.

00:40:41: Das ist natürlich früher so Brandschutzprüfer in ein riesiges Problem.

00:40:47: erstmal so und muss alles besprochen und diskutiert werden.

00:40:50: Und am Ende war es aber tatsächlich so dass wir auch einen ganz tollen Brandschussplaner gefunden hatten der auch bereit war Risiken einzugehen diese Risiken auch wieder gegenüber seinem Prüferl, weil es muss ja als geprüft werden, Gebäudeklasse fünf.

00:41:05: Auch jeder bereit war zu rechtfertigen und durchzugehen.

00:41:08: Und dann werden diese Sachen plötzlich möglich.

00:41:11: Das was vielleicht schon im Wettbewerb mit ein paar Strichen aufgezeichnet war eigentlich drei Jahre lang Arbeit, gemeinsame Arbeit solche Hindernisse aus dem Weg zu räumen um sowas dann zu ermöglichen.

00:41:28: Hast du da eine bestimmte Strategie jetzt mittlerweile oder Routine im Umgang mit Konflikten?

00:41:34: Also ich glaube, das beruhigt mich auch.

00:41:36: Rückblickend selber dass man merkt, man wird sicherer weil man weiß, dass viele Sachen möglich sind, dass sie halt einfach nur Zeit brauchen und es gibt eine gewisse Selbstsicherheit die ich vorher nicht hatte und die man sich arbeiten muss.

00:41:47: also ich glaube schon am Anfang ist man natürlich schneller verunsichert war so gebessert.

00:41:58: Und ich würde sagen, Routine gibt es bei uns eh fast überhaupt gar nicht.

00:42:02: und das ist alles immer so.

00:42:04: speziell die Konstellation, dass ich denke jedes Projekt spielt wieder eine neue Konstellationsauf, wo man überhaupt auch gar nichts sagen kann.

00:42:14: Es gibt die oder die Strategie.

00:42:15: Das ist was sich entwickelt im Laufe dieser Projekte.

00:42:20: ja also würde ich glaube ich sagen

00:42:22: Ja Du bist ja auch intensiv in der Lehre tätig, wie ich anfangs gesagt habe und arbeitest stark am Detail.

00:42:30: Und an konstruktiven Fragen, Materialität auch gebrauchte Bauteile, all diese Themen interessieren dich.

00:42:35: oder scheidet sich dein Umgang mit Konflikten im Lehrkontext von dem in deiner Praxis?

00:42:41: Naja, insofern natürlich dass die die Lehrkonzepte oder die Lehre ein anderes Verhältnis zur Realität hat.

00:42:49: das was Ja, so die Bindung an die Realität angeht.

00:42:52: Und das würde ich aber noch gar nicht mal sagen dass das Vor- oder Nachteile sind weil tatsächlich kommen ja keine so krassen Einschränkungen durch das Baurecht oder zum Beispiel wenn man es jetzt nicht ganz aktiv einfordern würde und selber setzen würde und es kommen auch vielleicht auch keine finanziellen Forderung oder irgendwie sowas oder Einschrankungen dazu.

00:43:15: Wir merken aber, dass natürlich genau diese Sachen Motor sein können.

00:43:20: Also diese Begrenzung oder dieser Einschränkung um eigentlich so den Kern eines architektonischen Projektes zu finden und deshalb versuchen wir auch in der Lehre uns häufig wieso wenn wir es nicht schaffen uns an die Realität zu binden indem zum Beispiel die Studierenden selber bauen dann eigentlich wie so einen eigenen Kosmos Ja, ich weiß nicht sowieso eigene Systeme zu generieren.

00:43:50: Jetzt habe ich ein bisschen umschifft.

00:43:54: Ich wollte es eigentlich ganz konkret sagen also in Luzan im vergangenen Semester wo wir unterrichtet hatten und wir haben das auch schon an der UliKart Berlin mal getestet.

00:44:01: Haben wir eigentlich Projekte immer weitergegeben zwischen Studierendengruppen.

00:44:07: Also jede Studierendegruppe hat die Wochen gearbeitet und dann haben andere davon übernommen schafft natürlich ganz viele Konflikte schon mal im positiven Sinn, weil man plötzlich ja auf etwas aufbauen muss was jemand anders schon mal angefangen hat und einen Eigenbeitrag dazu leisten muss.

00:44:28: Wissend dass es weitergegeben wird an der nächsten und der auch das wieder anpacken wird.

00:44:33: und das entspricht aber natürlich eigentlich so wie die Welt da draußen funktioniert und das alles weiter läuft auch wenn wir gar nicht mehr daran beteiligt sind.

00:44:43: Da würde ich sagen, sowohl eine Odika-Villin als auch in Lausanne war das eine total tolle Studioatmosphäre die sich daraus entwickelt hat.

00:44:52: Dass es so ein Prozess war und mit ganz viel Überraschung und manchmal würde ich auch sagen Konflikten natürlich die daraus entstanden sind wenn Projekte weiter gereicht wurden und jemand weitergemacht hat und am Ende dieser Phase war es ganz anders darstand als vorher.

00:45:09: Du gehst ja da auch echt an den Kern Die Ausbildungen waren ja früher oder das Studium wirklich so, dass man seine eigene Autorenschaft entwickelt und feiert.

00:45:20: Also ihr macht da dann wirklich das was jetzt zeitgemäß ist eben zu sagen Nein, da ist immer schon etwas da!

00:45:26: Wir fangen nicht bei null an.

00:45:28: So würde ich das jetzt zusammenfassen.

00:45:31: Ja, dann komme ich zur letzten Frage Und zwar weil wir im Baunetz Campus Podcast sind.

00:45:36: Was würdest du angehen Architekt in einem Umgang mit Konflikten noch mitgeben?

00:45:42: Also ich glaube, ich würde allen mitgeben basierend auf das was ich vor gesagt habe dass sich Widerstand man sich erleisten können muss und wir uns nicht immer in der Lage fühlen den ganz großen Widerstand zu leisten.

00:45:56: Aber dass wir alle immer auf der Suche sind nach den kleinen Widerständen die wir machen können und die wir leisten können und wodurch Projekte manchmal ganz normal weiterlaufen können Wir aber trotzdem die Möglichkeit finden durch diesen Widerstand, den wir selber initiieren.

00:46:18: Weil wir selber etwas von uns einbringen wollen – von unseren Interessen und dem was uns bewegt -, dass diese Projekte sich trotzdem ganz doll ändern können.

00:46:27: Und das kostet manchmal überhaupt gar nicht!

00:46:30: Das kostet die Überwindung.

00:46:31: zu sagen ich bringe jetzt diese Frage in dieses Projekt rein und es braucht dann Durchhaltevermögen und je nachdem wie groß man die Frage stellt, weniger Energie, aber ich würde euch allen mitgeben.

00:46:46: Versucht mal solche Widerstände im Klein zu testen und schaut mal wie ihr die Fähigkeit schulen könnt, die langsam größer werden zu lassen.

00:46:56: Ganz klasse!

00:46:57: Vielen Dank für deine Zeit und für das Gespräch Florian Sommer.

00:47:01: Danke Kerstin.

00:47:03: Das war Konflikträume, der Baunetz Campus Podcast präsentiert von AIA.

00:47:08: Wir freuen uns wenn ihr beim nächsten Mal wieder rein hört und wenn ihr eine Bewertung da lasst.

00:47:13: Redaktion Sorana Radulescu & Katarina Lux.

00:47:16: Veröffentlichung Katarina lux beide Baunets Campus Moderation und Audioproduktion ich Kerstin Kunekat Berlin.

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